J-POP/G-POP

Das Ausstellungsprojekt j-pop/g-pop organisiert von Sasaoka Takashi (CAS/Osaka) und Reinhild Kuhn (Künstlerhaus Dortmund) beschäftigt sich mit Fragen zur Alltagskultur in Japan und in Deutschland. Es sind fünf japanische und sechs deutsche Künstler eingeladen, ihre Arbeiten gemeinsam zunächst in Deutschland/Dortmund und dann in Japan/Osaka auszustellen. Den Präsentationen geht ein ca. vierwöchiger gemeinsamer Aufenthalt im jeweiligen Gastland voraus. Die Arbeiten der eingeladenen Künstler sind zum Teil projekthaft angelegt, d. h. es wurden nicht ausschließlich fertige Arbeiten für die Ausstellung ausgewählt, sondern einige der Künstler werden ihre Arbeiten im Hinblick auf die Ausstellung im Herbst weiterentwickeln, um sie dann in situ zu installieren.
Die inhaltliche Spannung der Arbeiten wird sich unter anderem auch aus dem Nebeneinander der deutschen und japanischen Positionen entwickeln. Bereits in der Titelgebung des Ausstellungspaares wurde dies deutlich: Pop ist im deutschen stark mit der Pop-Art konnotiert und Alltag wird überwiegend als soziologisches Phänomen verstanden, während die japanische Lesart viel mehr auf die Schönheit im Alltäglichen abhebt und Alltag vom Sakralen scheidet. Daher tauchen im Vorfeld Fragen auf wie beispielsweise:

Wieviel Einfluss hat Tradition auf die Alltagskultur? Und entwickelt sich nur im Bewusstsein der eigenen Kultur eine zeitgemäße künstlerische Haltung? Oder gibt es im Zuge der Globalisierung auf dem Feld der Kunst kaum noch spürbare kulturelle Unterschiede?
Sind also die Unterschiede zwischen den Kulturen mittlerweile bereits so gering geworden, dass Herkunft von Motiven und Inhalten, aber auch von Form und Stil nicht mehr genau definiert werden können?
Ist eine Herkunftsbestimmung generell für die Rezeption von Kunst relevant, oder sind große Bereiche der Kultur mittlerweile von einer universellen Sprache beherrscht?

Die Künstler reflektieren in ihren Arbeiten die Alltagskultur ihres Heimatlandes und zeigen auf, dass Pop-Kultur ein immer wieder neu zu füllender Begriff sein kann, denn Alltagsphänomene sind einer ständigen Entwicklung unterworfen und von unterschiedlicher gesellschaftlicher Relevanz.

An der Vielfalt der künstlerischen Positionen werden diese aufgeworfenen Fragen ersichtlich: Politisch fundierten Aussagen (Patrick Borchers) stehen subtile weit verzweigte Wahrnehmungsströme (Esther Rutenfranz) gegenüber. Während Patrick Borchers in seinen Zeichnungen gefundenes Bildermaterial aus den Massenmedien verarbeitet, stellt Esther Rutenfranz gesellschaftliche Bezüge eher aus einem privaten Blickwinkel her. Arbeiten zum Konsumverhalten, die Beschäftigung mit der Frage nach Sein und Schein (Ulrike Stockhaus) werden kombiniert mit Videoarbeiten zur kollektiv indizierten Wahrnehmung (Martin Brand). Dabei erstellt Martin Brand Gruppen- und Einzelporträts von Jugendlichen an öffentlichen Orten, beleuchtet Cliquenstrukturen und Hierarchien. Die bildliche Untersuchung von der Entwicklung der Eßgewohnheiten in Deutschland (Rona Rangsch) steht Fotografien von Benutzeroberflächen (Julian Faulhaber) gegenüber. Unter dem Titel ‚LDPE’ (low desity polyetylene), ein Themoplastischer Kunststoff, der im übertragenen Sinne eine real existierende Wet umnetzt, werden Räume und Szenarien kurz nach ihrer Fertigstellung, quasi makellos fotografiert. Eine weitere Fotoarbeit Faulhabers zeigt die dunklen Hallen der Lan Coventions, die eine Quasi-Architektur abbilden, welche sich aus elektronischen ‚Skulpturen’ und ‚Strassenzügen’ der PCs unter den Tischreihen der Agierenden ergibt. Reflexionen und Licht spielen bei den Arbeiten von Sasaoka Takashi eine dominante Rolle. Die Idolkultur reflektiert Iida Yoshino in Performances und Installationen, abzielend auf den japanische Idolbegriff, welcher vornehmlich süße niedliche Mädchen meint, die in Fernsehshows oder als j-pop Sängerinnen auftreten. Die Poetisierung des Sakralen einerseits, den Verlust von gesellschaftlicher Struktur und Religion auf Grund von moderner Wissenschaft und zunehmender Technisierung anderseits thematisiert Arisa Yuki. Naturwissenschaftliche Phänomene im Dienste von Gut und Böse (Atsuyoshi Hikida) stehen trendgesteuerte prototypische Fotoserien (Funada Ayako) gegenüber.

BETEILIGTE KÜNSTLER
Patrick Borchers (Dortmund), deutsch, *1975
Martin Brand (Bochum), deutsch, *1975 (V)
Julian Faulhaber Dortmund), deutsch, *1975 (F)
Rona Rangsch (Dortmund), deutsch, *1968 (F)
Esther Rutenfranz (München), deutsch, *1967
Ulrike Stockhaus (Dortmund), deutsch, *1962 (V)

Yuki Arisa, *1981
Ayako Funada, *1985 (F)
Yoshino Iida, *1984 (F)
Sasaoka Takashi, *1956
Atsyoshi Hikida, *1966

Künstlerhaus Dortmund
Sunderweg 1
44147 Dortmund

Das Künstlerhaus ist Spielstätte für Werke aller Kunstrichtungen – Malerei, Bildhauerei und Grafik ebenso wie Fotografie, Film, Video, Rauminstallationen und Neue Medien. Dieses Spektrum spiegelt sich sowohl in den Arbeitsfeldern der Mitglieder als auch in den Ausstellungen wider, die von den Mitgliedern als Gruppenausstellungen und ausschließlich für KünstlerInnen von außerhalb des Hauses organisiert werden. Der Schwerpunkt auf zeitgenössischer und experimenteller Kunst fördert insbesondere junge, nicht etablierte KünstlerInnen. Neben ortsansässigen Museen, Kunstvereinen und Galerien mit ihren traditionellen Einzelpräsentationen oder primär wirtschaftlichen Interessen, belebt das Künstlerhaus die Kunstszene Dortmunds mit einem in dieser Form einzigartigen Ort. Das Künstlerhaus schafft einen Freiraum für die Kunst, bietet KünstlerInnen aus dem In- und Ausland ein gutes Arbeitsklima und baut durch direkte Vermittlung Schwellenängste bei Besuchern ab.