Phototalk #4 – Information vs. Diskretion

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Dominique Silvestri im Dialog mit Caspar Sänger. Wie lesbar sind Bilder?
Geben sie Daten preis, entschlüsselt der Betrachter aus ihnen Informationen, Biografien, Stories, — oder gibt es Bildstrategien, ihm die Frage nach der »Information« als Ganzes zu verweigern?

In der Eingangsszene von Hitchcocks »Rear Window« lenkt James Stewart das Fernglas in den Hof und entwickelt zusammen mit Grace Kelly zu jeder Figur, die er sieht, eine Art Biografie, z.B. der Frau, die sie beide »Miss Lonelyheart« nennen: das bloße Anschauen wird hier mit »Daten« versehen, mit Geschichten und Informationen, die stimmen können oder auch nicht. Gibt es demgegenüber auch ein Anschauen ohne weitere, ausformulierbare Story, ohne — imaginärem oder tatsächlichem — »Datenbestand«?

Was beispielsweise ist mit den Porträts von Rineke Dijkstra, die man bis zu einem bestimmten Punkt tatsächlich gedanklich entschlüsselt, um dann festzustellen, daß einem diese Informationen über die Porträtierten noch gar nicht viel sagen? Bei Dijkstra drängt zwar alles dazu, in die Gesichter Geschichten, Interpretationen hineinzudenken — am Ende bleibt das Bild aber eher opak. Wäre »Diskretion« der Gegenbegriff zu »Information«?

Gibt es vor dem Hintergrund der technischen Auswertbarkeit von Bildern (face recognition, soziale Netzwerke, Metadaten von Bilddateien) Qualitäten des Bildes, die es dennoch der Auswertbarkeit entziehen? Ohne dafür auf den offenen Blick — das Porträt, das Gegenüber — verzichten zu müssen? Muss es dafür auf Verschlüsselung setzen (z.B. Verpixelung) oder kann es das Spiel umdrehen: durch seine eigenen ästhetische Qualitäten sich der Frage nach dem, was ein Bild an Informationen enthält, von vornherein entziehen?

 

04.12.2013, 19:30 Uhr

Atelier Schreinerei, Adlerstraße 59b und Falkenstraße 6a, 44?147 Dortmund

Eintritt frei

 

http://schau-festival.de/
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